Wie äußert sich eine Hämophilie?

Eine Hämophilie fällt meistens zum ersten Mal auf, wenn die betroffenen Kinder beginnen zu krabbeln und zu laufen. Die in dieser Zeit häufig auftretenden Stürze führen dann zur verstärkten Bildung von blauen Flecken und verlängerten Blutungen nach kleineren Verletzungen. Auch beim Kinderarzt können die Kinder nach Blutabnahmen oder Impfungen mit verstärkten Nachblutungen reagieren. Sollten die Eltern den Verdacht haben, dass Ihr Kind möglicherweise an einer Hämophilie leidet, sollte ein Hämophilie-Behandlungszentrum aufgesucht werden. Dort kann dann durch Laboruntersuchungen das Vorliegen einer Hämophilie geprüft und gegebenenfalls eine Therapie begonnen werden.

Die bei einer Hämophilie auftretenden abnormalen Blutungen, die je nach Schweregrad der Hämophilie entweder nach Verletzungen oder spontan auftreten, können in allen Körperteilen vorkommen. Typischerweise kommt es jedoch zu Gelenk- und Muskelblutungen.

 

Blutungslokalisation bei der Hämophilie

Gelenkblutungen

Blutungen in den Gelenken sind sehr häufig und äußern sich beim Betroffenen mit:

  • Schmerz
  • Steifheit des Gelenks
  • Schwellung des Gelenks
  • Bewegungseinschränkung
  • Erwärmung

Ist ein Gelenk häufiger von Blutungen betroffen oder ist die Behandlung unzureichend, tritt im weiteren Verlauf eine zunehmende Gelenkschädigung auf. Diese kann im Spätstadium zu einer vollständigen Gelenkzerstörung mit Versteifung und damit zu völliger Unbrauchbarkeit des Gelenkes führen.

 

Muskelblutungen

Muskelblutungen treten häufig in der Wade, dem Oberschenkel, der Leistengegend
und dem Unterarm auf. Sie äußern sich in Form von:

  • Schmerz
  • Schwellung
  • Steifheit
  • Erwärmung
  • Bewegungseinschränkung

Unbehandelt kann es nach einer Muskelblutung zu einem erhöhten Druck im Muskel kommen, der dann zur Schädigung der in Nachbarschaft verlaufenden Nerven und Blutgefäße oder zu Muskelschrumpfungen und Lähmungen führt. Wiederholte Blutungen im gleichen Gelenk (das so genannte Zielgelenk) können zu dauerhaften Gelenkschäden führen.

 

Blutungen in innere Organe

Blutungen in innere Organe sind möglich und häufig schwer zu erkennen. Blutungen im Verdauungstrakt und in den Harnwegen können durch Blutbeimengungen im Stuhl und im Urin in Erscheinung treten. Vor allem Blutungen im Magen-Darmbereich können lebensgefährlich sein, sodass hier eine rasche Behandlung in einem Hämophiliezentrum erforderlich ist.

 

Blutungen im Kopf- und Hirnbereich

Blutungen im Gehirn sind lebensgefährlich und sollten deshalb schnellstmöglich behandelt werden. Sie treten häufig nach Stürzen oder Schlägen auf den Kopf auf. Die Zeichen von Blutungen im Gehirn können erst mehrere Tage nach der Verletzung in Erscheinung treten und äußern sich in:

  • Unwohlsein
  • Konzentrationsstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Verwirrtheit
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Doppelbildern

 

Blutungen im Hals- und Nackenbereich

Blutungen im Bereich des Halses und des Nackens können zu gefährlichen Verengungen der Atemwege führen. Deshalb sollten alle Schwellungen in diesem Bereich bei einem Hämophilie-Patienten als mögliche Blutungen behandelt werden.