Kann ich mit Hämophilie Sport treiben?

Im Gegensatz zu früher werden heute gerade hämophile Kinder dazu ermutigt, Sport zu treiben. Körperliche Aktivität fördert im Allgemeinen das körperliche Wohlbefinden durch eine verbesserte

  • körperliche Leistungsfähigkeit
  • Koordination
  • besseres Körpergefühl
  • Ausdauer

Insbesondere bei der Hämophilie spielt jedoch die durch sportliche Aktivitäten bewirkte Kräftigung der Muskulatur eine wichtige Rolle. Wie bereits im Kapitel Gelenke beschrieben, stabilisiert eine kräftige Muskulatur die Gelenke. Gelenke, die gut stabilisiert sind, bluten seltener. Ein sportlich aktives Kind oder Erwachsener hat zudem ein geringeres Risiko, zu dick zu werden. Übergewicht ist wiederum schlecht für die Gelenke, da diese dann vermehrt belastet werden und das Risiko für Gelenkblutungen wieder zunimmt.

Worauf sollte man bei der Auswahl der Sportart achten?

Die Auswahl der geeigneten Sportart sollte individuell getroffen werden und persönliche Fähigkeiten und Neigungen berücksichtigen. Hierbei können die behandelnden Ärzt*innen und Physiotherapeut*innen beratend zur Seite stehen. Insbesondere sollten bei der Auswahl einer Sportart die beiden folgenden Punkte berücksichtigt werden:

  • Schweregrad der Hämophilie
  • Gelenkstatus - Hinsichtlich des Gelenkstatus gilt, dass bei bereits fortgeschrittenen Gelenkschäden Sportarten gewählt werden, die gleichmäßig rhythmische Bewegungen und geringe Bewegungsenergien aufweisen.
  • Gemieden werden sollten Sportarten mit:
    • großen Impulsbelastungen (Springen)
    • extreme Bewegungen (Drehungen)
    • abrupte Richtungsänderungen und
    • Kontaktsportarten

Welche Sportarten sind geeignet?

zu den von den behandelnden Ärzt*innen bei Hämophilie empfohlenen Sportarten gehören:

  • Schwimmen
  • Langstreckenlauf, Jogging, Nordic Walking
  • Tischtennis
  • Fischen
  • Tanzen
  • Badminton
  • Segeln
  • Golf
  • Kegeln
  • Fahrradfahren

Welche Sportarten sind ungeeignet?

Die folgenden Sportarten sind nach der Empfehlung von den behandelnden Ärzt*innen bei Hämophilie eher weniger geeignet:

  • Boxen
  • Rugby
  • Football
  • Karate
  • Ringen
  • Motorradfahren
  • Judo
  • Paragliding
  • Hockey
  • Skateboarden

Kann ein an Hämophilie erkranktes Kind am Schulsport teilnehmen?

Die Teilnahme an Aktivitäten des Schulsports ist bis auf wenige Ausnahmen prinzipiell möglich. Es sind jedoch zusammen mit dem betroffenen Kind, den Eltern, den behandelnden Ärzt*innen, den Lehrer*innen und den Mitschüler*innen klare Absprachen zu treffen. So sollte z.B. den Sportlehrer*innen und den Mitschüler*innen mitgeteilt werden, dass das an Hämophilie erkrankte Kind nicht an Kontaktsportart wie Fußball, Hockey, Kampfsportarten und Rugby teilnehmen sollte.

 

Quellen:

  • „Hämophilie - Die Antworten“, Hrsg. ÖHG und Pfizer, verschiedene Autoren; 3. Auflage 2013; ISBN 978-3-200-03020-6. Das Kapitel „Therapie der Hämophilie“ entspricht nicht dem aktuellen Stand der Wissenschaft.
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